Sie liegen an einem der Strände von Goa und lassen die Seele baumeln. Und plötzlich wird Ihnen klar, dass Sie, wo Sie doch so weit gereist sind, auch das Bedürfnis nach Kultur verspüren. Für diesen Fall gibt es nur 330 km von Goa entfernt einen erstaunlichen Ort – Hampi, wo laut Mythologie vor einigen tausend Jahren affenähnliche Humanoide lebten und heute über mehr als 30 Quadratkilometer majestätische Relikte einer altindischen Zivilisation zu sehen sind.
Von vielen Orten in ganz Goa bringt Sie ein komfortabler Reisebus über Nacht nach Hampi. An vier Tagen in der Woche können Sie auch von Vasco da Gama und Margao mit dem Zug von Indian Railways fahren, mit Umstieg für die letzten 13 Kilometer auf Kleinbusse in Hospet.
Inhaltsverzeichnis:
UNESCO-Welterbe Hampi
Der Ort gehört seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Er besteht aus einem mehrere Kilometer langen Steinplateau, auf dem Tausende riesiger Felsbrocken malerisch verstreut sind und zwischen denen sich uralte Bauwerke befinden. Das Wort „Hampi” selbst ist die anglisierte Version von „Pampa”. So lautete in der alten Sprache Kannada, die in dieser Region des Landes nach wie vor am weitesten verbreitet ist, der Name des Flusses Tungabhadra, der die Siedlung in zwei Teile teilt. Lange Zeit wurde behauptet, dass die ersten Menschen zu Anfang unserer Zeitrechnung nach Hampi kamen. In der Mitte des letzten Jahrhunderts haben Archäologen auf dem Gebiet des Dorfes Fundamente noch älterer Gebäude ausgegraben, die wiederum Überreste von Kishkindha sind, einem geheimnisvollen und der modernen Wissenschaft unbekannten Staat der Vanara-Affenmenschen.
Mythos und Geologie: Ramayana und die Entstehung der Felsen
Das indische Epos „Ramayana“ beschreibt Kishkindha als Besitz des Affenkönigs Hanuman, der ihm vom Haupthelden des Epos, Rama, geschenkt wurde. Der Legende nach war es Hanuman, der riesige Felsbrocken, Fragmente des Großen Himalaya, in diese Gegend brachte. Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass die Erdkruste in der Region Hampi relativ dünn ist und dass ein gewaltiger Magmaausbruch vor Millionen Jahren riesige Gesteinsbrocken herausgeschleudert hat. Diese kühlten sich schnell ab und verwandelten sich in die heute sichtbaren, bombastischen Felskugeln.
Auf der Grundlage dieses einzigartigen Baumaterials wurde im 14. Jahrhundert das gesamte Vijayanagara-Reich errichtet, was aus dem Sanskrit übersetzt „Stadt des Ruhmes“ bedeutet. In seiner Blütezeit erreichte die Einwohnerzahl eine halbe Million. Es war das größte Reich des mittelalterlichen Indiens, reicher und berühmter als das glorreiche Rom.
Für Besucher wurde Hampi erst vor gut 30 Jahren „entdeckt”. Heute ist es ein touristischer Ort. Das Gebiet der Siedlung ist grob in drei Teile unterteilt: der Basarbereich (nach Meinung der meisten Touristen architektonisch am interessantesten), das Königszentrum und das Gebiet Anegundi, das nördlich des Flusses Tungabhadra liegt.
Anegundi, Hanuman-Tempel und das Leben am Tungabhadra
Man kann dorthin entweder mit einem Motorboot fahren (nach einem festen Fahrplan, das letzte am Abend) oder mit einem flachen Bambusboot. Bei geringem Wasserstand und leichter Strömung kann der Fluss auch zu Fuß durchquert werden.
Auf der anderen Seite gelangt man sofort in ein kleines Paradies, das inmitten von Reisfeldern liegt. Vom Anlegeplatz sind es nur 800 Meter durch malerische Bananenplantagen bis zum Berggipfel, auf dem sich der Kulttempel des Hanuman befindet. Zu ihm führt eine gewundene Treppe, auf der ständig flinke Affen herumlaufen, die darauf lauern, den Touristen eine Banane oder eine Flasche Wasser abzunehmen. Hanuman selbst ist auf einem benachbarten Felsbrocken dargestellt. Es gibt hier unglaublich viele Brocken, und es ist bis heute ein Rätsel, wie der Haufen aus großen und kleinen Steinen seit Jahrhunderten aufeinander liegt und nicht umfällt. Die Hindus erklären dieses Wunder mit einer weiteren Legende aus mythischen Zeiten: Die Krieger des Affenreichs prahlten mit ihrer Kraft und verstreuten spielerisch Teile des Berges, als wären es Teile eines Kinderbaukastens.
Hier, auf der anderen Seite des Flusses, ist das ein Ort der völligen Entspannung. Seit der Antike hat sich praktisch nichts verändert:
Die Bauern stehen vor Sonnenaufgang auf und arbeiten auf den bewässerten Reisfeldern zusammen mit Kühen, die vor Pflüge gespannt sind. Fischer hängen Angelruten hängen aus Bambusbooten, genau wie ihre Vorfahren vor vier Jahrhunderten.
Manche waschen ihre Wäsche, indem sie sie gegen Felsbrocken schlagen, andere waschen Elefanten oder baden selbst. Die Einheimischen leben entweder in Steinhütten aus gespaltenen Felsbrocken oder in Bambusbungalows, die mitten in den Reisfeldern stehen. Von fast jedem Berg jenseits des Flusses aus ist der zentrale Markt von Hampi zu sehen – eineinhalb Kilometer lang voller Steinsäulen, die mit Steinplatten anstelle von Dächern abgedeckt sind. Von dort führt der Weg zum ältesten Tempel des Ortes, dem Virupaksha, einem Pilgerzentrum für Hindus aus ganz Südindien. Im Gegensatz zu den anderen ist er der einzige, der noch in Betrieb ist.
Der Legende nach soll jeder als Zeichen der Ehrerbietung, und um den höchsten Segen zu erhalten, eine Rupie in den Rüssel des Elefanten am Eingang legen. Das Interessanteste findet sich jedoch im Inneren des Tempels, in seiner nordwestlichen Ecke. Sonnenlicht dringt durch einen schmalen Spalt und projiziert ein umgekehrtes Bild eines der Türme an die Wand, ein wahres Lichtspiel, von den antiken Architekten wohldurchdacht. Sie haben auch den einzigartigen Vithala-Tempel entworfen, der auch als „musikalischer Tempel” bezeichnet wird. Sein Geheimnis besteht darin, dass die 56 Altarsäulen von Röhren umgeben sind, von denen jede bei leichter Berührung mit der Hand eine von sieben Noten und zusammen die gesamte Tonleiter erzeugt.
Wie aus einer anderen Welt: Die surreale Felsenlandschaft von Hampi
Natürlich gibt es in Hampi viele Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben muss, und es ist unmöglich, alles zu Fuß in wenigen Tagen zu erkunden. inige mieten für den ganzen Tag einen Fahrer mit Motor-Riksha, zumindest einen, der ein wenig Englisch spricht, andere ein Motorrad oder einen Scooter. Aber verzichten Sie nicht wenigstens einmal auf einen professionellen Reiseführer und eine geplante Route.
Wenn man zwischen riesigen, zerklüfteten Felsen spaziert, die aussehen, als hätte sie ein Riese aufeinandergetürmt, kommt man sich vor, als wäre man in einem Science-Fiction-Film gelandet und die mondähnliche Landschaft um einen herum wäre eine Kulisse aus Pappe.
Einige Felsbrocken von der Größe eines Hauses stehen dort und scheinen jeden Moment umzufallen. Sie sind chaotisch oder, eigentlich ganz logisch, wie bei Tetris, übereinander gestapelt. Kilometerlange Steinfelder und Hügel, die in der Ferne mit dem Horizont verschmelzen, schaffen eine magische Atmosphäre, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.
Man möchte innehalten und einfach nur regungslos die riesigen Figuren betrachten. Als befände man sich in eben jenem Steinbruch, in dem mythische Gottheiten ihre Steinkuchen formten.