Seit 1914 prägt das Beauvallon die Vorstellung davon, was ein Aufenthalt an der Côte d’Azur sein kann. Am 24. April 2026 kehrte das Haus als COMO Le Beauvallon zurück: saniert, neu interpretiert und mit einem gastronomischen Konzept ausgestattet, das die Riviera-Saison neu vermessen dürfte. COMO Hotels and Resorts hat das legendäre Palais auf einem 4,05 Hektar grossen Privatgelände oberhalb des Golfs von Saint-Tropez eröffnet. 42 Zimmer, mehr als 300 Kunstwerke und ein Küchenchef mit 18 Michelin-Sternen: Das COMO Le Beauvallon ist der bemerkenswerteste Neuzugang der französischen Riviera.
COMO Le Beauvallon: Geschichte, Lage und Anreise
Winston Churchill erholte sich hier, Colette schrieb in der Nähe, Audrey Hepburn soll die Panoramaterrassen gemocht haben. Das Beauvallon war nie ein Hotel unter vielen, sondern ein Gesellschaftsort mit Anziehungskraft, die weit über die Region hinausging. Dass COMO Hotels and Resorts, die Hotelmarke der Singapurer COMO Group von Christina Ong, genau dieses Haus für sein erstes Frankreich-Projekt wählte, ist kein Zufall.
Eröffnet wurde das Palais 1914 unter dem Namen «Le Golf Hôtel»: ein Belle-Époque-Bau mit hundert Zimmern, in Auftrag gegeben von den Brüdern Bernheim, deutschen Auswanderern, die in den Vereinigten Staaten ein Spirituosengeschäft aufgebaut hatten. Für Schweizer Gäste hält die Baugeschichte eine Pointe bereit: Der Entwurf stammt von Julien Flegenheimer (1880–1938), einem Genfer Architekten, der später den Bahnhof Genève-Cornavin realisierte und als einer von fünf Architekten am Palais des Nations mitwirkte. Das Beauvallon gehört damit zu den frühen Arbeiten eines Mannes, dessen Handschrift heute das offizielle Genf prägt.
Zweimal wurde das Haus vom französischen Staat als Militärspital requiriert, in beiden Weltkriegen, und zweimal kehrte es nach einer Grundsanierung in seine ursprüngliche Bestimmung zurück. Diese Doppelbewegung aus Zerstörung und Wiederaufnahme ist dem COMO Le Beauvallon eingeschrieben. Die Eröffnung 2026 ist nicht die erste Wiedergeburt, sondern die dritte.
Die Lage ist nach wie vor aussergewöhnlich. Das Hauptgebäude thront auf einer Anhöhe zwischen Grimaud und Sainte-Maxime, an der Westseite des Golfs von Saint-Tropez, umgeben von Palmen, Pinien und gepflegten Rasenflächen. Wer Saint-Tropez selbst erkunden möchte, besteigt am hauseigenen Privatanleger ein COMO-Speedboot. Acht Minuten später legt man im Hafen an, der Transfer ist für Hotelgäste kostenfrei. Ein zweites Boot bringt Gäste zu den Stränden von Pampelonne. Praktisch, wenngleich die Koordination zweier Boote und die damit verbundene Logistik für spontane Ausflüge eine gewisse Planung erfordert.
Erreichbar ist das Resort auch per Helikopter, der direkt auf dem Gelände landen kann, sowie über Yachtliegeplätze unmittelbar vor der Küste. Wer aus der Schweiz anreist, wählt idealerweise den Flughafen Nizza, von dem aus die Fahrt an die Westküste des Golfs rund eine Stunde dauert. Seit 2026 gibt es dafür auch eine komfortable Alternative zum Linienflug: Ein Semi-Private-Jet-Angebot ab Zürich bedient die Strecke nach Nizza. Wer die Riviera ohnehin systematisch abfährt, findet nördlich von Nizza mit dem Marina Baie des Anges Hotel einen zweiten Neuzugang der Saison.
Design, Kunst und Zimmer im COMO Le Beauvallon
42 Zimmer und Suiten, alle individuell gestaltet: Das klingt bescheiden für ein Haus dieser Ambition, ist aber programmatisch. Wo 1914 hundert Zimmer standen, setzt COMO heute bewusst auf Intimität statt Kapazität. Die Einrichtung stammt von der französischen Designerin Dorothée Delaye, die Belle-Époque-Raffinesse mit dem sorglosen Glamour der 1950er-Jahre kombiniert. Schmiedeeiserne Kurvenformen, yachtähnliches Marketerie-Holzwerk und die Lichtpalette der Riviera-Sonne bestimmen die Atmosphäre.
Mehr als 300 Kunstwerke ergänzen die Räume: Skulpturen, Installationen, seltene Objets d’art. Alle 28 Suiten, darunter die COMO Suite, blicken auf die Bucht. Die sogenannten Hillview-Zimmer öffnen sich zur provenzalischen Hügellandschaft. Wer also auf ein Meer-Panorama besteht, muss bei der Buchung explizit darauf achten, denn das bietet nicht jedes Zimmer.
Im Hotelgebäude selbst befindet sich der Winter Garden, ein Alltagsrestaurant unter einer lichtdurchfluteten Glasdecke, die die Grenze zwischen Innen- und Aussenraum auflöst. Die Riviera Terrace nebenan, entworfen von der Mailänder Designerin Paola Navone von Otto Studio, dient als offene Cocktaillounge mit freiem Blick über den Golf. Eine Boutique, Shop by COMO, ergänzt das Angebot auf dem Gelände.
Gastronomie im Beauvallon: Yannick Alléno und 18 Michelin-Sterne
Die Verpflichtung von Yannick Alléno als kulinarischem Leiter ist die mutigste Entscheidung des Hauses. Seit März 2026 vereint Alléno 18 Michelin-Sterne auf sich und ist damit der meistdekorierte Koch der Welt, vor Alain Ducasse. Er betreibt weltweit mehr als 20 Restaurants und ist bekannt dafür, Herkunft und Handwerk in unerwartete Konversation zu bringen. Im Winter Garden des Haupthauses entwickelt er mediterrane Küche mit Nizza-Akzenten, die in der Belle-Époque-Atmosphäre des Saals von Frühstück bis Abendessen serviert wird.
Allénos Ansatz ist inhaltlich überzeugend, stellt aber auch hohe Erwartungen. Wer ein klassisches Riviera-Bistro mit provenzalischer Bouillabaisse sucht, wird anderswo fündig. Das Haus positioniert sich bewusst als gastronomisches Ziel mit internationalem Anspruch, nicht als Ort regionaler Nostalgie.
Beachclub Beauvallon Sur Mer: Südostasien trifft Mittelmeer
Das Herzstück der Anlage liegt unterhalb des Haupthauses, direkt am Wasser: der Beachclub Beauvallon Sur Mer. Hier entfaltet Alléno sein eigentlich ungewöhnlichstes Konzept. Für sein erstes Beachclub-Restaurant kombiniert er südostasiatische Küchentechniken mit mediterranen Grundprodukten. Yellowtail-Tartare mit Erdnüssen und Thai-Basilikum-Eis, Wolfsbarsch-Crudo mit Baijiu-Marinade und grüner Papaya nach Som-Tum-Art sowie gegrilltes Thunfischsteak mit Kampot-Pfeffersauce: Die Gerichte lesen sich eigenständig und selbstbewusst.
Der Beachclub ist auch für externe Gäste zugänglich, was für Belebung sorgt, an Hochsommertagen aber auch bedeutet, dass die Anlage deutlich frequentierter sein wird als das ruhige Haupthaus. Der 25 Meter lange Mosaikpool bleibt ausschliesslich Hotelgästen vorbehalten, ebenso der direkte Strandzugang. Zwei zum Meer ausgerichtete Essbereiche und eine Dachterrasse verteilen die Gäste über den Tag, im Lounge-Bereich sorgt abends ein DJ-Soundtrack für Stimmung.
Architektonisch bemerkenswert ist ein weiteres Detail: Im bayseitigen Garten steht der Serpentine Gallery Summer Pavilion von 2002, entworfen vom Pritzker-Preisträger Toyo Ito. Der Pavillon wurde ursprünglich für den Sommer 2002 in den Londoner Kensington Gardens errichtet und fand seinen dauerhaften Standort später an der Côte d’Azur. Das Gebäude scheint zwischen Himmel, Wasser und Licht zu schweben. COMO nutzt es unter anderem als Kulisse für private Veranstaltungen und Hochzeiten.
Wellness und COMO Shambhala Retreat im Beauvallon
Das COMO Shambhala Retreat umfasst zwei Behandlungsräume, in denen die markentypischen ganzheitlichen Therapien angeboten werden. Ergänzt wird das Angebot durch ein vollständig ausgestattetes Fitnesscenter und tägliche Yogastunden. Für ein Haus dieser Kategorie ist das Wellnessangebot eher kompakt bemessen. Wer mehrtägige Spa-Programme oder einen grossen Badebereich sucht, findet in anderen COMO-Häusern ausgedehnteren Spielraum — oder im Hinterland der Provence, etwa im preisgekrönten Spa-Resort Coquillade.
Was das Haus jedoch mit Überzeugung liefert, ist die Verknüpfung von Geschichte und zeitgenössischem Gestaltungswillen. Das Haus trägt sein Erbe sichtbar, ohne davon erdrückt zu werden. An der Côte d’Azur, wo Nostalgie oft als Strategie eingesetzt wird, ist das keine Selbstverständlichkeit.
Häufige Fragen zum COMO Le Beauvallon
Wann hat das COMO Le Beauvallon eröffnet?
Das COMO Le Beauvallon wurde am 24. April 2026 eröffnet. Das ursprüngliche Haus nahm bereits 1914 unter dem Namen «Le Golf Hôtel» den Betrieb auf und wurde von COMO Hotels and Resorts vollständig saniert.
Was kostet eine Übernachtung im COMO Le Beauvallon?
Die Preise beginnen laut Betreiber bei EUR 840 pro Nacht. Der Preis variiert nach Saison und Zimmerkategorie; Vor- und Nachsaison bieten günstigere Raten bei identischer Lage und Ausstattung.
Wo liegt das COMO Le Beauvallon und wie reist man an?
Das Hotel liegt in Grimaud, zwischen Grimaud und Sainte-Maxime an der Westseite des Golfs von Saint-Tropez. Vom Flughafen Nizza dauert die Fahrt rund eine Stunde. Ein kostenfreier Speedboot-Transfer erreicht Saint-Tropez in acht Minuten; Helikopterlandungen auf dem Gelände und Yachtliegeplätze vor der Küste sind möglich.
Wie viele Zimmer hat das COMO Le Beauvallon?
Das Hotel verfügt über 42 individuell gestaltete Zimmer und Suiten, darunter 28 Suiten mit Blick auf die Bucht. Die Hillview-Zimmer sind zur provenzalischen Hügellandschaft ausgerichtet.
Wer ist der Küchenchef im COMO Le Beauvallon?
Die kulinarische Leitung liegt bei Yannick Alléno, der seit März 2026 18 Michelin-Sterne hält und damit als meistdekorierter Koch der Welt gilt. Er verantwortet den Winter Garden im Haupthaus sowie das Beachclub-Restaurant Beauvallon Sur Mer.
Ist der Beachclub auch für externe Gäste zugänglich?
Ja, das Restaurant und die Lounge des Beachclubs Beauvallon Sur Mer stehen auch Nicht-Hotelgästen offen. Der 25 Meter lange Mosaikpool und der direkte Strandzugang bleiben Hotelgästen vorbehalten.
TRAVELPEARLS-Tipps
- Beste Reisezeit: Mai bis Juni und September: angenehmere Temperaturen, weniger Betrieb in Saint-Tropez als im Hochsommer, volle Betriebsöffnung des Beachclubs.
- Anreise: Flughafen Nizza, danach rund eine Stunde Fahrt an die Westseite des Golfs von Saint-Tropez. Helikopterlandung direkt auf dem Hotelgelände möglich. Yachtliegeplätze vor der Küste vorhanden.
- Insider-Tipp: Den kostenfreien Speedboat-Transfer nach Saint-Tropez für frühe Morgenstunden reservieren, bevor die Tagesgäste in die Altstadt strömen. Separat: das Toyo-Ito-Pavilion im Garten für private Abende anfragen.
- Zimmerwahl: Nur die 28 Suiten blicken auf die Bucht. Wer Meerblick will, muss die Kategorie bei der Buchung ausdrücklich bestätigen lassen und nicht auf «Hillview» ausweichen.
- Buchung: Direktbuchung über comohotels.com empfohlen; Vor- und Nachsaison bieten bessere Verfügbarkeit bei identischer Lage und Qualität.
- Preise: Ab EUR 840 pro Nacht.
Fazit: Was vom Beauvallon bleibt
Ob das COMO Le Beauvallon den Hochsommertest besteht, wenn Saint-Tropez zu sich selbst wird und der Beachclub offen für alle ist, bleibt abzuwarten. Die Voraussetzungen, um zu einem der prägenden Häuser der Côte d’Azur zu werden, sind jedenfalls vorhanden: eine Lage, die sich nicht wiederholen lässt, eine Baugeschichte mit Genfer Handschrift und ein Küchenchef, der derzeit von keinem übertroffen wird. Weitere Adressen dieser Kategorie finden Sie in unserer Rubrik Luxus Ferien.
Quellen: COMO Hotels and Resorts; Hospitality Net, 30. April 2026; Historisches Lexikon der Schweiz, Julien Flegenheimer; Groupe Yannick Alléno. Recherche und Text: TRAVELPEARLS-Redaktion, Stand August 2026.
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