Die meisten Gäste sehen von Mauritius das Riff, den Strand und das Resort. Die Insel selbst beginnt erst dort, wo der Sand aufhört.
Von oben betrachtet ist Mauritius eine Insel mit einem doppelten Rand. Aussen das Riff, an dem der Indische Ozean in einer weissen Linie bricht, innen die Lagune, so ruhig und so türkis, dass sie auf jedem Prospekt der Welt funktioniert. Gut 1,4 Millionen Gäste kamen 2025 auf die Insel, 36’014 davon aus der Schweiz (Statistics Mauritius), und viele von ihnen verlassen diesen inneren Rand nie. Das ist verständlich, denn die Resorts an dieser Küste gehören zu den besten des Indischen Ozeans. Wer eine Mauritius Luxusreise aber nur zwischen Liegestuhl und Lagune verbringt, hat die Insel nicht gesehen, sondern ihre Kulisse.
Der Berg, der kein Postkartenmotiv ist
Kein Bild steht so sehr für Mauritius wie der Le Morne Brabant, der Basaltblock im Südwesten, vor dem die Lagune flach und hell ausläuft. Kaum ein Bild verschweigt so viel. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert flohen versklavte Menschen von den Zuckerrohrfeldern hierher, in die Höhlen und auf den Gipfel, geschützt durch steile, bewaldete Felswände. Die Insel war damals, so formuliert es die UNESCO, auch als «Maroon republic» bekannt, als Republik der Entlaufenen. Seit 2008 steht die Kulturlandschaft Le Morne auf der Welterbeliste, als Symbol für den Kampf um Freiheit, getragen von mündlichen Überlieferungen, die bis heute erzählt werden.
Wer den Berg mit einem lokalen Guide am frühen Morgen besteigt, schaut vom Gipfel auf dieselbe Lagune, auf die man vom Strand des Resorts blickt. Nur weiss man jetzt, wer hier oben zuerst stand und warum.
Vierzehn Stufen in Port Louis
Die zweite Geschichte der Insel beginnt mit dem Ende der ersten. Als das Britische Weltreich 1834 die Sklaverei abschaffte, wählte London ausgerechnet Mauritius für das, was es selbst «the great experiment» nannte: den Versuch, versklavte Arbeit durch bezahlte Vertragsarbeit zu ersetzen. Im Hafen von Port Louis entstand dafür ein Einwanderungsdepot, der Aapravasi Ghat. Zwischen 1834 und 1920 kamen hier fast eine halbe Million Vertragsarbeiter aus Indien an. Erhalten sind Teile der Unterkünfte, der Küchen, ein Spitaltrakt und eine Treppe mit vierzehn Stufen, über die jeder Ankommende gehen musste. Die UNESCO, die das Depot 2006 zum Welterbe erklärte, sieht darin eines der frühesten Zeugnisse eines entstehenden globalen Wirtschaftssystems.
Wer verstehen will, warum auf Mauritius Tempel, Moscheen, Pagoden und Kirchen in Sichtweite stehen und warum die Küche zugleich kreolisch, indisch, chinesisch und französisch ist, findet die Antwort auf diesen vierzehn Stufen. Ein paar hundert Meter weiter, an der Caudan Waterfront, liegt das kostbarste Papier der Insel: Im Blue Penny Museum werden die beiden Briefmarken der «Post Office»-Ausgabe von 1847 aufbewahrt, die rote und die blaue Mauritius, 1993 von einem Konsortium mauritischer Unternehmen zurückgekauft. Die Originale werden nur zeitweise beleuchtet, um sie zu schonen.
Eine Insel der verlorenen und der geretteten Arten
Mauritius ist der Ort, an dem der Dodo verschwand; die letzte bestätigte Sichtung stammt von 1681. Weniger bekannt ist, dass die Insel auch ein Ort ist, an dem das Aussterben aufgehalten wurde. 1974 lebten noch vier Mauritiusfalken in freier Wildbahn. Der walisische Biologe Carl Jones übernahm 1979 ein bereits laufendes, kaum noch aussichtsreiches Zucht- und Auswilderungsprojekt; heute fliegen wieder mehrere hundert dieser kleinen Greifvögel über die Schluchten im Südwesten. Jones erhielt dafür 2016 den Indianapolis Prize, eine der höchsten Auszeichnungen im Artenschutz.
Ihr Rückzugsgebiet ist der Black River Gorges National Park, 6574 Hektaren Bergwald, rund 3,5 Prozent der Insel. Hier wachsen 163 der 311 endemischen Pflanzenarten von Mauritius (UNESCO), hier steigt der Piton de la Petite Rivière Noire auf 828 Meter. Eine halbe Stunde von der Küste entfernt ist die Luft kühler, der Himmel oft bedeckt, und man hört keinen Ozean mehr. Es ist die Gegenwelt zur Lagune, und wer die Lagune nur für einen einzigen Ausflug verlässt, sollte ihn hierher machen.
Zucker, Tee und Rum: die Landschaft als Wirtschaftsgeschichte
Was auf der Fahrt ins Hochland wie Natur aussieht, ist fast überall Wirtschaftsgeschichte. Das Zuckerrohr, das die Küstenebenen bedeckt, war der Grund für Sklaverei und Vertragsarbeit gleichermassen. Im Süden wird es von Tee abgelöst: Auf Bois Chéri wird seit 1892 Tee angebaut, Fabrik und Museum erzählen davon nüchterner als jede Broschüre. Die Route du Thé endet auf der Domaine de Saint-Aubin, deren Herrenhaus von 1819 stammt. Im Westen brennt die Rhumerie de Chamarel seit 2008 Rum direkt aus frischem Zuckerrohrsaft, und man versteht beim Probieren, dass die Insel aus ihrer schwierigsten Pflanze inzwischen eine ihrer feinsten gemacht hat.
Zurück an die Lagune
Nichts davon spricht gegen die Resorts. Drei von ihnen tragen im Michelin Guide zwei Schlüssel: One&Only Le Saint Géran auf seiner Halbinsel an der Ostküste, The Oberoi an der Turtle Bay im Westen und das Four Seasons at Anahita, das am 1. November 2025 nach einer Renovation wieder öffnete. Aber sie sind dann am besten, wenn man abends aus dem Hochland zurückkehrt, den Staub der Teeplantage noch an den Schuhen. Erst dann wird die Lagune zu dem, was sie auf Mauritius sein sollte: der Ort, an dem ein Tag auf der Insel endet.
Mauritius Luxusreise: Service, Reisezeit und Anreise
Welche Küste, welcher Monat: Bei der Planung einer Mauritius Luxusreise zählt die Wahl der Küste so viel wie die des Monats. Die Insel hat einen warmen, feuchten Sommer von November bis April und einen kühleren, trockeneren Winter von Juni bis September; am nassesten sind Februar und März (Mauritius Meteorological Services). Der Südostpassat weht über die Ostküste und frischt im Winter auf.
| Küste | Charakter | Beste Monate | Luxushäuser (Auswahl) |
|---|---|---|---|
| Westen und Norden | windgeschützt, trocken | ganzjährig, besonders Juni bis Oktober | The Oberoi, The St. Regis Le Morne, Royal Palm Beachcomber Luxury |
| Osten | lange Strände, Passatwind | September bis Dezember, April und Mai | One&Only Le Saint Géran, Four Seasons at Anahita, Constance Prince Maurice, Shangri-La Le Touessrok |
| Süden | grün, rau, Golf | September bis Dezember | Heritage Le Telfair, Le Château de Bel Ombre |
Anreise und Einreise: Edelweiss fliegt saisonal nonstop ab Zürich in rund elf Stunden, von Oktober bis März zwei bis drei Mal pro Woche, im Juli und August nicht. Ganzjährig fliegt Emirates via Dubai, seit Dezember 2025 dreimal täglich. Schweizerinnen und Schweizer reisen ohne Visum ein, müssen aber das digitale «All-in-One Travel Form» ausfüllen. Seit dem 1. Oktober 2025 wird eine Tourist Fee von 3 Euro pro Person ab 12 Jahren und Nacht erhoben.
TRAVELPEARLS-Tipps für die Mauritius Luxusreise
- Einen Tag fürs Hochland reservieren: Black River Gorges am Morgen, Bois Chéri und Saint-Aubin am Nachmittag. Die Strecke ist von jeder Küste aus in einem Tag zu schaffen.
- Le Morne vor 7 Uhr: Den Aufstieg mit einem lokalen Guide früh beginnen, so ist man vor der Mittagshitze zurück.
- Port Louis mit Zeit: Aapravasi Ghat und Blue Penny Museum liegen zu Fuss nahe beieinander; ein halber Tag genügt, eine Stunde nicht.
- Delfine nur nach Regeln: Das Gesetz erlaubt Schwimmen mit Delfinen nur zwischen 6 und 9 Uhr, mit Walen gar nicht (Regulations 2012). Seriöse Anbieter halten sich daran.
Häufige Fragen zur Mauritius Luxusreise
Wann ist die beste Reisezeit für eine Mauritius Luxusreise?
Am angenehmsten sind April bis Juni und September bis Dezember. Im Südwinter von Juni bis September sind Westen und Norden im Vorteil; das Zyklonrisiko ist im Februar und März am höchsten.
Ostküste oder Westküste: Wo wohnt man auf einer Mauritius Luxusreise besser?
Der Osten hat die längsten Strände und mehrere der bekanntesten Resorts, ist aber windiger. Der Westen ist geschützter und liegt nahe am Le Morne und am Nationalpark.
Gibt es Direktflüge von Zürich nach Mauritius?
Ja, Edelweiss fliegt saisonal nonstop in rund elf Stunden; im Juli und August gibt es keine Flüge.
Brauchen Schweizer ein Visum für Mauritius?
Nein. Verlangt werden ein über die Reise hinaus gültiger Pass, ein Rück- oder Weiterflug, eine bestätigte Unterkunft und das «All-in-One Travel Form».
Mauritius oder Malediven?
Die Malediven sind die Wahl für eine Insel, ein Resort und sonst nichts. Für Mauritius spricht, dass neben der Lagune Geschichte, Landschaft und Küche warten.
Weiterlesen auf TRAVELPEARLS
Zur Vorbereitung Ihrer Mauritius Luxusreise: Neue Spa-Erlebnisse im Indischen Ozean zeigt unser Beitrag zu Constance Hotels, Handwerk und Nachhaltigkeit auf Mauritius das L’Atelier des Artisans. Weitere Inselziele finden Sie in unseren zehn gefragtesten Inselzielen 2026.
Text: Guido Käppeli, Oktober 2026. Quellen: UNESCO-Welterbezentrum, Statistics Mauritius, Mauritius Meteorological Services, Mauritius Revenue Authority, Mauritius Tourism Promotion Authority, Edelweiss, Michelin Guide, Angaben der Hotels. Bilder: Siddick Mohamed / Spotlight Studio für die Mauritius Tourism Promotion Authority (MTPA).
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Dann geben Sie ihn weiter — an jemanden, der diesen Ort auch lieben würde.