Freitagabend, Gotthard, fünf Personen und Gepäck im Wagen. Sonntagmorgen, eine leere Passstrasse und 2000 Newtonmeter unter dem rechten Fuss. Der neue Mercedes-AMG GT SUV will beides können. Am 17. Oktober 2026 hat ihn Mercedes-AMG im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart enthüllt. Er ist das zweite Fahrzeug auf der eigenen Hochleistungsarchitektur AMG.EA und der erste grosse SUV, den Affalterbach vollständig selbst entwickelt hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Modelle: GT 53, GT 55 und GT 63 SUV, rein elektrisch, 800-Volt-Technik, Allradantrieb AMG Performance 4MATIC+.
- Leistung: GT 53 mit 400 kW (544 PS); GT 55 mit 600 kW (816 PS); GT 63 mit 860 kW (1169 PS) und 2000 Nm, 0 bis 100 km/h in 2,7 Sekunden.
- Reichweite und Laden: bis 700 Kilometer nach WLTP, bis 710 kW Ladeleistung, in zehn Minuten Strom für 454 Kilometer.
- Masse: 5,08 Meter lang, 3,04 Meter Radstand, 607 Liter Kofferraum plus 78 Liter Frunk.
- Schweiz: GT 53 seit 20. Oktober 2026 bestellbar, erste Auslieferungen laut Mercedes-Benz Schweiz voraussichtlich im Februar 2027; GT 55 und GT 63 folgen im Frühjahr 2027.
«Born in Affalterbach»: der Mercedes-AMG GT SUV als Eigenentwicklung
Bisher hat AMG grosse Mercedes-Geländewagen veredelt, motorisiert und geschärft. Der Mercedes-AMG GT SUV ist der erste Full-Size-SUV, den die Mannschaft in Affalterbach von Grund auf selbst konzipiert hat. Basis ist die AMG.EA-Plattform, die im Mai 2026 mit dem elektrischen GT 4-Türer Coupé debütierte. Gebaut wird der SUV in Sindelfingen, die Axialflussmotoren der stärkeren Versionen stammen aus dem Werk Berlin-Marienfelde. Entwickelt wurde dieses Motorprinzip von der britischen Tochter YASA, die Mercedes-Benz 2021 übernommen hat.
Was die Architektur von gewöhnlichen Elektroplattformen unterscheidet, ist ihre Ausrichtung auf Wiederholbarkeit. Die Batterie mit direkt gekühlten Rundzellen lehnt sich an Lösungen aus der Formel 1 an und soll die volle Leistung nicht nur einmal, sondern Runde um Runde abrufbar machen. Wie ernst das gemeint ist, zeigte im August 2025 die Studie Concept AMG GT XX: Auf der Teststrecke im apulischen Nardò legte sie in sieben Tagen, 13 Stunden und 24 Minuten 40’075 Kilometer zurück, rechnerisch einmal um die Erde, meist mit rund 300 km/h.

Drei Versionen, zwei Motorkonzepte
Der Einstieg heisst GT 53 und arbeitet mit zwei permanenterregten Synchronmotoren. Er leistet in der Spitze 400 kW (544 PS) und 800 Nm, beschleunigt in 4,2 Sekunden auf 100 km/h und kommt mit der 106-kWh-Batterie nach WLTP 597 bis 668 Kilometer weit. Darüber stehen GT 55 und GT 63 mit drei Axialflussmotoren, einem an der Vorder- und zwei an der Hinterachse. Diese Motoren sind scheibenförmig, rund acht bis neun Zentimeter schmal und deutlich leichter als herkömmliche Radialflussaggregate. Weil vorne so wenig Bauraum nötig ist, bleibt unter der Fronthaube Platz für ein Gepäckfach.
Der GT 55 leistet 600 kW (816 PS), der GT 63 als Spitze 860 kW (1169 PS) und 2000 Nm. Er sprintet in 2,7 Sekunden auf 100 km/h und in 7,2 Sekunden auf 200 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt mit Driver’s Package bei 270 km/h. Bemerkenswert ist eine Zahl, die AMG eigens ausweist: die Dauerleistung von 530 kW (721 PS) bei beiden Axialfluss-Versionen. Sie beschreibt, was der Antrieb ohne Pause liefern kann, und ist für Fahrer, die einen Pass nicht nur einmal hinauffahren, die ehrlichere Kennzahl als der Spitzenwert.

Beim Laden setzt der neue AMG einen Massstab. Mit der grossen 128-kWh-Batterie nimmt er nach vorläufigen Herstellerangaben bis zu 710 kW Gleichstrom auf, in zehn Minuten fliesst Energie für 454 Kilometer nach WLTP, von zehn auf 80 Prozent vergehen zwölf Minuten. Die Reichweite der Axialfluss-Modelle liegt mit dieser Batterie bei 620 bis 700 Kilometern. Auf der Fahrt von Zürich nach St. Moritz oder an die Côte d’Azur wird der Ladehalt damit zur Kaffeepause.

Mercedes-AMG GT SUV: Fahrwerk, Aerodynamik und Sound
Das Fahrwerk AMG ACTIVE RIDE CONTROL+, Serie im GT 63 und optional im GT 55, ersetzt die klassischen Stabilisatoren durch aktive Hydraulikelemente. Sie halten den Wagen in Kurven flach und stemmen sich beim Bremsen und Beschleunigen gegen das Nicken, unterstützt von dreistufig verstellbaren Luftfedern. Eine aktive Hinterachslenkung mit bis zu sechs Grad Einschlag lässt den 5,08 Meter langen Wagen in Bergdörfern handlicher wirken, als seine Masse vermuten lassen. Im GT 63 verzögert serienmässig eine Carbon-Keramik-Bremse.

Zur Aerodynamik gehören ein aktiver AEROKINETICS-Dachspoiler, der sich bei den Axialfluss-Modellen ab 150 km/h verstellt, und ein Airpanel mit Lamellen im Frontstossfänger. Der Luftwiderstandsbeiwert liegt bei 0,27 (GT 53: 0,28). Der Sound «AMGFORCE Sport+» schliesslich ist eine bewusste Provokation: GT 55 und GT 63 lassen einen AMG-V8 erklingen, der GT 53 einen Sechszylinder, jeweils mit simulierten Schaltvorgängen. Ob ein synthetischer Klang die Emotion eines Verbrennungsmotors ersetzt, ist Geschmackssache. Man kann ihn abschalten und die Stille geniessen, die ein Elektroauto dieser Leistung besonders eindrücklich macht.

Raum und Reisetauglichkeit
Die Silhouette fällt gestreckt und für einen SUV flach aus, bei einer Höhe von 1,65 Metern und einem Radstand von 3,04 Metern. Innen orientiert sich die Sitzposition an der Sportwagen-Ergonomie, hinten steht serienmässig eine Dreierbank. Wer regelmässig drei Erwachsene im Fond befördert, sollte die Kopffreiheit unter der abfallenden Dachlinie vor dem Kauf selbst prüfen. Der Kofferraum fasst 607 Liter, bei umgelegten Rücksitzen 1740 Liter, dazu kommen 78 Liter im Frunk. Das sollte für zwei Golfbags oder eine Woche Skiferien zu viert genügen.

Je nach Version und Batterie wiegt der Wagen zwischen 2525 und 2715 Kilogramm, was für die Leistung und die Akkugrösse moderat ist. Die Hecksignatur mit drei runden Röhrenleuchten zitiert die Sportwagengeschichte des Hauses, die Front führt die Linie des GT 4-Türers weiter. Im Cockpit stehen Displays mit 10,2 und 14 Zoll, auf Wunsch ergänzt um ein drittes für den Beifahrer.


Marktstart in der Schweiz und Konkurrenz
In der Schweiz nimmt Mercedes-Benz seit dem 20. Oktober 2026 Bestellungen für den GT 53 entgegen; die ersten Auslieferungen sind laut Importeur für Februar 2027 geplant. Schweizer Preise waren bei Redaktionsschluss noch nicht publiziert. Zur Orientierung: In Deutschland kostet der GT 53 ab 113’050 Euro. GT 55 und GT 63 folgen im Frühjahr 2027.
Der direkte Gegner kommt aus Zuffenhausen. Der Porsche Cayenne Electric leistet als Turbo bis zu 850 kW mit Launch Control, sprintet in 2,5 Sekunden auf 100 km/h und lädt mit bis zu 390 kW. In der Schweiz beginnt er laut Konfigurator bei CHF 118’400, der Turbo bei CHF 186’800, jeweils Grundpreis vor Abzug der aktuellen Währungsausgleichsprämie (Stand 28. Oktober 2026). Mercedes-AMG kontert mit mehr Ladeleistung und mehr Drehmoment, Porsche mit einer längeren Erfahrung im Segment. Ein Fahrbericht auf Schweizer Strassen wird zeigen, welches Konzept im Alltag überzeugt.
TRAVELPEARLS-Tipps
- Welche Version: Wer vor allem Langstrecke fährt, ist mit dem GT 53 und seinen bis zu 668 Kilometern Reichweite gut bedient. Wer Pässe und Rennstrecke liebt, wartet auf den GT 63 mit Serien-Fahrwerk ACTIVE RIDE CONTROL+ und Carbon-Keramik-Bremse.
- Batterie: Die volle Ladeleistung von 710 kW gibt es nur mit der 128-kWh-Batterie der Axialfluss-Modelle; der GT 53 lädt mit bis zu 600 kW.
- Probefahrt: Unbedingt mit drei Erwachsenen im Fond und vollem Gepäck testen, denn die Dachlinie ist sportlich geschnitten.
- Zeitpunkt: Frühe Bestellungen sichern frühe Lieferpositionen ab Februar 2027. Wer auf den GT 63 wartet, sollte sich beim Händler für die Frühjahrs-Bestellphase vormerken lassen.
Häufige Fragen zum Mercedes-AMG GT SUV
Wie viel PS hat der Mercedes-AMG GT SUV?
Der GT 53 leistet 544 PS (400 kW), der GT 55 816 PS (600 kW) und das Topmodell GT 63 1169 PS (860 kW) bei 2000 Nm Drehmoment. Die Dauerleistung der beiden stärkeren Versionen beträgt 721 PS (530 kW).
Wie weit fährt der AMG GT SUV mit einer Batterieladung?
Nach WLTP schafft der GT 53 mit 106 kWh 597 bis 668 Kilometer. GT 55 und GT 63 kommen mit der 128-kWh-Batterie auf 620 bis 700 Kilometer, mit der 106-kWh-Batterie auf 525 bis 585 Kilometer.
Wie schnell lädt der Mercedes-AMG GT SUV?
Nach vorläufigen Herstellerangaben lädt er mit der 128-kWh-Batterie mit bis zu 710 kW Gleichstrom und nimmt in zehn Minuten Strom für 454 Kilometer auf. Von zehn auf 80 Prozent dauert es zwölf Minuten. Mit der 106-kWh-Batterie sind es bis zu 600 kW.
Wann kommt der Mercedes-AMG GT SUV in die Schweiz?
Der GT 53 ist seit dem 20. Oktober 2026 bestellbar, die ersten Auslieferungen sind laut Mercedes-Benz Schweiz für Februar 2027 vorgesehen. GT 55 und GT 63 werden im Frühjahr 2027 bestellbar.
Was kostet der Mercedes-AMG GT SUV?
Schweizer Preise sind noch nicht veröffentlicht. In Deutschland startet der GT 53 bei 113’050 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Preise für GT 55 und GT 63 hat Mercedes-AMG noch nicht genannt.
Ein Grand Tourer, der höher sitzt
Der neue AMG setzt im elektrischen Hochleistungssegment technisch die Messlatte hoch, vor allem bei der Ladeleistung. Ob das Gesamtpaket aus Raum, Fahrdynamik und Langstreckenkomfort im Alltag hält, was das Datenblatt verspricht, wird erst ein ausgiebiger Fahrbericht zeigen. Wie sich der bisherige AMG GT 4-Türer mit V8 anfühlt, haben wir im Mercedes-AMG GT 63 4-Türer erlebt. Weitere Modelle finden Sie in unserer Rubrik Luxus Auto, etwa den Mercedes-AMG CLA 45 4MATIC+ oder den Mercedes-Benz VLE für Familien, die lieber reisen als rasen.
Weiterführend: Pressemitteilung Mercedes-Benz zum AMG GT SUV und die Rekordfahrt des Concept AMG GT XX bei electrive.
Recherche und Text: Guido Käppeli, TRAVELPEARLS. Quellen: Mercedes-Benz Group Media (Pressemitteilungen vom 17. Oktober 2026 und 9. Juni 2026), Mercedes-Benz Schweiz (Marktstart), electrive.com, Porsche Newsroom und Porsche-Konfigurator Schweiz (Abruf 28. Oktober 2026). Alle technischen Daten sind Herstellerangaben.
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